Teil eines Werkes 
4. Band (1874)
Entstehung
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vergeben, die natürlich von Allen angenommen wurde, und in der That waren viele von den Anhängern Inno⸗ cenzia's im innerſten Herzen geneigt, ihr auch das Aergſte zu verzeihen, nur um ihres ſüßen Geſichtes willen. So ſtürzte denn ſchon bei Tagesanbruch Alles nach dem Rathhauſe, und es gab Leute, die bereits Stunden lang da⸗ ſaßen, ehe die Geſchworenen erſchienen, nur um einen guten Platz zu bekommen. Miß Vane hatte ſich ſelbſt überwunden und ſaß diesmal nicht wie am Tage zuvor im äußerſten Winkel, ſondern neben Nelly in der näch⸗ ſten Nähe der Angeklagten, um damit öffentlich zu be⸗ weiſen, daß ſie auf der Seite ihrer Couſine ſtehe. Wie blaß und hohläugig war aber die liebliche Nelly geworden, und wie forſchten dieſe großen Augen, wenn ſie ſich ein⸗

mal von Innocenzia abwendeten, im Saale nach dem

Einen, der einſt von unverbrüchlicher Liebe zu ihr ge⸗ ſprochen hatte! Wie froh war ſie, daß Miß Vane an ihrer Seite ſaß, aber war es denn wirklich möglich, daß. Ernſt nicht da war? Sie liebte ihn zwar nicht mehr, aber ihr Stolz litt unter der herben Täuſchung. Inno⸗ cenzia ſtand da wie eine Statue der ſchweigenden Geduld, an das Gitter gelehnt, welches ſie vom Publikum trennte. Den Sitz, der ihr angeboten wurde, hatte ſie verweigert. Die Morgenſonne beleuchtete das jugendliche blaſſe Ge⸗

ſicht mit wunderbarem, faſt verklärendem Glanze. Ach, Oliphant, Innocenzia. IW. 10