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licher Angſt und wandte ſich dann wieder an ihre Zu⸗ hörerin.„Wenn ich ſterben ſollte, wer würde ſich Deiner annehmen, Deiner und— und Nelly's? Außer Frederick und— ſeiner Frau wohl Niemand.“
Innocenzia antwortete nicht— eine leichte Röthe flog über ihr Geſicht. Sie wendete ſich von der Tante ab und drückte ihre zarten Finger krampfhaft zuſammen. Dann ſagte ſie leiſe: S— würde ſich meiner ſtets annehmen.“
„Ach, mein Kind,“ rief die Mutter,„Du darfſt nicht an Frederick denken. Ich fürchte, ſeine Freundlichkeit
gegen Dich iſt nur Egoismus. Und eben deshalb hätte es mich ſehr, ſehr glücklich gemacht, wenn Du den ehren⸗ vollen Antrag des Sir Alexis angenommen hätteſt. An Frederick darfſt Du nicht denken, er gehört ſeiner 6
Frau.“ „Darf ich nun wieder in den Garten gehen und
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meine Geſchichtsaufgabe lernen?“ frug das Mädchen nach einer Pauſe. Und bald ſah man die ſchlanke Geſtalt wieder zwiſchen den Bäumen einherwandeln. Als wäre 3 nichts geſchehen, ſo las ſie wieder halblaut vor ſich hin. Wußte ſie wirklich, was ſie las? Hatten die Perſonen 3 der Maria Stuart und der Eliſabeth in ihrer Seele 4 Geſtalt angenommen? Oder erſchienen ihr die Lebenden, die ſie umringten, ebenſo geiſterhaft verſchwommen wie


