Teil eines Werkes 
1. Band (1874)
Entstehung
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Und dabei hat ſie einen ſo ſeltſamen Blick in den Augen und gleitet ſo geräuſchlos einher, als hätte ſie gar keine Füße. Sonderbar iſt ſie, das iſt wahr. Hängt ſie denn an Niemandem im ganzen Hauſe?

Sie hat Frederick ſehr gern, glaube ich, ſagte Mrs. Eaſtwood ſtockend. Plantagenet pfiff vor ſich hin. Er war überraſcht.

Frederick gern haben, und Mutter und Nelly nicht? ſagte er zu ſich ſelbſt. Das war freilich ein intereſſan⸗ ter Charakterzug mehr. Ich weiß nicht, ob der Jüng⸗ ling ſeinen eigenen äußern und innern Vorzügen die Macht zutraute, Innocenzia zu gewinnen, aber jedenfalls gab er ſich große Mühe mit ihr. Er war ſehr aufmerk⸗ ſam gegen ſie und behielt ſie fortan im Auge. Sein Sinn für Schönheit und Poeſie fand an der Erſchei⸗ nung der jungen Italienerin reiche Nahrung, und er nahm ſich vor, den Grund ihres ſchweigenden Kummers zu erforſchen. Ob ihm dies gelungen, wird die Folge⸗ zeit lehren. Jedenfalls beſchäftigte ihn die neue Coufine ſehr, wenn auch Nelly's Verlobung mit Molyneur noch in dem Vordergrunde des Intereſſes ſtand. Doch fing der erſte Reiz der Neuheit ſchon an langſam zu verbleichen.

Druck von Metzger& Wittig in Leipzig.