Mrs. Eaſtwood.„Als die arme Iſabelle ſtarb, habe ich mich niemals nach ihrem Kinde erkundigt; ich nahm es für gewiß an, daß daſſelbe geſtorben ſei. Und weil ich den Mann ſelbſt ſo haßte, denn, Nelly, ich bin über⸗ zeugt, er hat ihren Tod verſchuldet, ſo wollte ich auch nichts mehr mit ihm zu thun haben. Das arme Kind hat aber immer gelebt, und ich garſtige Frau habe mich nicht darum gekümmert. Vielleicht hätte ich ihr nützen und ſie von dem ſchrecklichen Vater trennen können.“ „Aber ſie ſcheint dieſen„ſchrecklichen“ Vater ſehr geliebt zu haben. Der Schreiber des Briefes ſagt, ſie
ſei untröſtlich. Das arme Ding! Weißt Du denn nichts
Genaueres pon ihr, Mama?“ fragte Nelly. Jetzt zog Mrs. Eaſtwood abermals ihr Taſchentuch heraus und weinte wirklich vor Scham und Schmerz.
„Bin ich nicht eine hartherzige, böſe Frau?“ ſagte
ſie ſchluchzend.„Nein, widerſprich nicht, Nelly. Sein eigen Fleiſch und Blut ſo grauſam zu vernachläſſigen, 3 niemals danach zu fragen— nichts von ihrer Exiſtenz 2
zu wiſſen—“
„Nun, Mama, ich glaube, ich kann Dir in dieſem Falle Abſolution ertheilen,“ ſagte Nelly.„Wenn Du nichts von ihrer Exiſtenz wußteſt, wie konnteſt Du Dich nach ihr erkundigen? Starb denn die arme Tante Iſabelle bei der Geburt ihres Kindes?“


