48 Geſtalt nahm ſich ſehr vortheilhaft in dem dunkeln Anzuge aus, und ihr lebhaftes, friſches Angeſicht war höchſt reizend unter dem breitkrämpigen Männerhut. Mit einer unbeſchreiblichen Grazie begrüßte ſie Oſſian und Sirena, als ihr Pferd mit der Geſchwindigleit eines Pfeiles an ihnen vorbeiſchoß. Eine Strecke weit vorausgekommen, mäßigte ſie den Lauf deſſelben und ritt nun an der Seite Brunel's, welcher ſie ſcherzend bekomplimentirte, im Schritte weiter.
Der Baron betrachtete Amy zum erſten Mal mit wirklichem Vergnügen. Ihre Haltung und Ge⸗ ſtalt zeigten ſich in ſo günſtigem Lichte, daß er nicht umhin konnte, einen Blick der Vergleichung auf Si⸗ rena zu werfen, welche ſteif und ungelenk, mit ängſt⸗ licher Miene in ihrem Sattel ſaß und ſich zu Pferde durchaus nicht vortheilhaft ausnahm.— Dieß mußte der Baron im Herzen zugeben.
Sirena ihrerſeits ſandte neidiſche Blicke Amy und Brunel nach. Wie gern hätte Sirena nicht den Kavalier mit ihr getauſcht. Manches unruhige Ge⸗ fühl regte ſich in ihrer Bruſt, und endlich äußerte ſie:
„Repreſſalien gibt es überall in der Welt. Siehſt Du, Oſſian, wie eifrig Brunel deiner Frau den Hof macht, während Du dein Herz mir dar⸗ bringſt, die ich ſo undankbar bin, daß ich noch nicht einmal weiß, ob ich es nur annehmen will.“
Oſſian wechſelte die Farbe, antwortete aber den⸗ noch in einem Tone von Gleichgültigkeit, während er noch immer ſeine Frau und deren Kavalier betrachtete:
„Brunel erzeigt mir einen Freundſchaftsdienſt, daß er mich von der Nothwendigkeit befreit, eine Mi⸗


