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Mathilde oder Ein gefallsüchtiges Weib : Novelle / von Marie Sophie Schwartz : aus dem Schwedischen von Otto, gen. Reventlow
Entstehung
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Sie betrachtete mich mit einem Ausdruck unbe⸗ ſchreiblicher Liebe und Freude, ohne eine Ahnung da⸗ von zu haben, welchen entſetzlichen Schmerz ich ihr zu bereiten beabſichtigte. Aber weder ihre Freude noch ihre liebevolle Dankbarkeit vermochten bis an mein Herz zu dringen, alles dies plagte mich nur.

Zwei Tage darauf verließen wir Neapel. Die Freiherrin befand ſich jetzt auf dem Wege der Beſſe⸗ rung, hatte aber noch nicht das Bett verlaſſen.

Bei meinem Abſchied von Mathilda bat ich ſie auf meinen Knieen um Erlaubniß, Briefe mit ihr wechſeln zu dürfen und ſie erwiederte meine Bitte mit folgenden Worten:

Die Bedingung unſeres Wiederſehens iſt ja ſo fabelhaft, daß wir mit Sicherheit annehmen können, daß wir uns nie wieder ſehen werden; ich ſehe des⸗ halb keinen Grund, warum wir einen angenehmen Briefwechſel zum Opfer bringen ſollten.

Nach Abweſenheit von einem Jahre kehrten ich und meine Frau nach London zurück.

Die Gefühle, mit welchen ich jene Heimath be⸗ trat, wo ich mit einer liebenden und geliebten Gattin ſo glücklich gelebt, können nicht geſchildert werden; und doch empfand ich etwas gleich Aerger bei dem Gedanken, daß ſie jetzt zwiſchen mir und meinem ge⸗ träumten Bilde ſtände. Ich übergehe es, die Freude und die Seligkeit Ebbas zu erwähnen, welche ſie empfand, als ſie ſich wieder in jenem Hauſe befand, wo ſie hoffte, daß dort wieder Liebe und Glück für ſie erblichen würden; wo ich aber bald ihr den bitterſten

Kelch zum Leeren reichen ſollte. Sie vergaß jetzt alle die

Thränen und Qualen, welche ihr meine Kälte verurſacht. Ihr ganzes Weſen athmete Hingebung und Hoffnung. Aber ach! dieſe Freude ſollte ganz kurz ſein.