wenn Du eines Tages entdecken ſollteſt daß Du Dich in Deinem Gefühl für ihn getäuſcht haſt, und wenn Du dann für immer an einen Mann ge⸗ bunden wäreſt den Du nicht liebteſt?“
„Ich habe mein Inneres genau geprüft, und dieſe Prüfung hat mir gezeigt daß mein Herz in Wahrheit und Wirklichkeit Evert ergeben iſt.“
„Ergeben?“ wiederholte Emy.
„Ja, das iſt das rechte Wort. Ich habe dieſe heftigen Eindrücke, dieſe aufbrauſenden Gefühle, die man Liebe nennt, nie begreifen können. Was mich an Evert feſſelt iſt, wie ich ſo eben ſagte, eine wahre und tiefe Ergebung. Glaube mir, meine Phantaſie hat einen allzu großen Platz in meiner Seele uſur⸗ pirt, als daß mein Herz heftige Leidenſchaften hegen könnte. Auch die Erziehung die meine Mut⸗ ter und Du mir gegeben, war geeignet allen Ueber⸗ treibungen entgegenzuwirken. In dem ruhigen Kreis worin ich ſelbſt gelebt, hat ſich nichts gefunden was meine Gefühle befeuert hätte. Wie beklagenswerth wäre ich nicht, wenn die Leidenſchaften Eingang in meine Bruſt gefunden und die Leitung meiner Schwärmerei an ſich gezogen hätten.“
„Gott gebe, Helena, daß Du Dich ſelbſt jezt richtig beurtheileſt, und daß dieſe Lebhaftigkeit des Gefühls, der Deine Mutter und ich entgegenzuarbei⸗ ten ſuchten, nicht eines Tages von Neuem in Deiner Bruſt erwache.“
„Nein, über meine Leidenſchaften haſt Du einen Wächter geſezt der ſie immer bezwingen und leiten, wie auch dafür ſorgen wird daß ich mit Muth und Zuverſicht die Prüfungen beſtehen kann die mir zu⸗


