Zug mich an ſie gefeſſelt hat; aber wenn ich je zu Helena hintreten würde und ſie fragte was ſie denke, was glauben Sie wohl, Tante, daß ſie antworten würde?“
„Sie würde Dir lächelnd die Hand reichen und ſagen: Verzeih; aber es iſt mir unmöglich meine Gedanken klar zu machen.“
„Ja gerade ſo würde ihre Antwort lauten. Aber an was denkt ſie denn?— Jedenfalls nicht an mich den ſie zu lieben behauptet und der ſie anbetet⸗ Was mag es wohl ſein? Wenn man liebt, ſo bildet der Gegenſtand unſerer Liebe auch den Gegenſtand aller unſerer Gedanken, Träume und Gefühle.“ „Du haſt Recht, und darum ſage ich: Helena iſt ein Räthſel zu deſſen Löſung Du Zeit brauchſt, und ehe Du es gelöst haſt, darfſt Du Dich nicht unauflöslich mit ihr verbinden.“ 3
„Nein, Tante, wenn Helena meine Frau wird, ſo iſt das Räthſel gelöst, und dieſe dunkle Träu⸗ merei muß vor der Liebe des Gatten verſchwinden.“
Jezt wurden Gäſte angemeldet, und im nächſten Augenblick traten der Graf Oscar Kerner und die Gräfin Sappho ein. Die äußere Erſcheinung Beider verkündete Ruhe und Glück. Nach ihnen kam ihre fünfzehnjährige Tochter Alma, begleitet von einem jungen Mann von acht⸗ oder neunundzwanzig Jah⸗ ren und einem Lieutenant Henrico. Sie wurden auf Herzlichſte bewillkommt, und Graf Oscar ſtellte
jungen Mann Emy vor. Erlaube, beſte Emy,“ ſagte er,„daß ich Dir inen Vetter Uno Kerner, den Sohn meines Onkels, otſchafters in Spanien, vorſtelle. In dieſem


