Teil eines Werkes 
2. Band (1864)
Entstehung
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teſt, und ich klar und beſtimmt vor meiner Seele eine Vorſtellung deiner und meiner Gefühle haben wollte, da erſt erzählte ich Jacobo die Geſchichte meines Lebens, und nachdem er mit ſeiner Alles verſöhnenden Lebensphiloſophie zu mir geſprochen hatte, fühlte ich, daß ich wieder Muth bekam, eine zärtliche Tochter gegen deine Mutter zu ſein und ge⸗ duldig zu warten, bis ich mir ſelbſt ſagen könnte: Hermann iſt werth, innig geliebt zu werden, wie

ich ihn liebe, denn er hat mir den Beweis des höch⸗

ſten Grades von Seelenſtärke und Gewiſſenhaftig⸗ keit gegeben, als er auf Koſten ſeines eigenen Glücks wieder gutmachen wollte, was ſein Hochmuth ver⸗ brochen hatte.

Und deßhalb ließeſt Du mich die Prüfung bis aufs Aeußerſte durchmachen? fiel Hermann ein.

Ja, mein hochherziger Liebling, erwiederte Ste⸗ phana, indem ſie ihren Arm um ſeinen Hals legte; das Herz würde mir gebrochen ſein, im Fall Du nicht beſtanden wäreſt, denn es hätte ſich in ſeinem

Glauben an dein ſtarkes Pflicht⸗ und Ehrgefühl ge⸗

täuſcht.

Wenn ich mir Alles, was geſchehen iſt. übet⸗ lege, kommt es mir wie ein Traum vor, aus wel⸗

chem ich zu erwachen fürchte, bemerkte Hermann und beugte ſich nieder zu Stephana.Bedenke, daß ich Dich anderthalb Jahre an meiner Seite hatte, Dich

bis zum Wahnſiün liebte und doch die Arme nicht

auszuſtrecken wagte, um Dich an mein Herz zu

ſchließen, Dich, welche ich vor Gott und Menſchen das Recht hatte, mein zu nennen. Nein, Hermann; dieſes Recht hatteſt Du ver⸗