13
die Achtung, die ich gegen Sie empfinde, bewahren und in Ihnen einen Freund ſehen, dem ich nicht zu mißtrauen brauche, ſondern auf deſſen Ehre ich mich blindlings verlaſſen kann.“
Es lag etwas ſo Einfaches, Würdiges und doch rein Weibliches in der Wendung, welche Stephana Hermanns Ausbruch gab, daß jede Fortſetzung deſ⸗ ſelben gehemmt werden mußte.
Hermann fühlte tief die Rückſicht, welche ſie ihm nun bewies, indem ſie, obwohl er nahe daran ge⸗ weſen war, ſich zu vergeſſen und Gefühle anzudeu⸗ ten, die er, als verheirathet, kein Recht zu hegen hatte, ihn gleichwohl aufforderte, auch fernerhin ihr Freund zu ſein.
Für den im Grunde wahrhaft ritterlich geſinnten Hermann war Stephana's Benehmen von der Art, daß es eines Erfolgs nicht verfehlen konnte; ſomit faßte er die Hand, welche ſie ihm eben entzogen hatte, von Neuem und ſagte, indem er ſie ehrerbie⸗ tig küßte
„Sie ſollen, Madame, niemals Grund finden, den Edelguth zu bereuen, welchen Sie mir zu er⸗ kennen gen Ich werde Ihnen als ein treuer Freund zur Seite ſtehen, ſo lang Sie meiner be⸗ dürfen, und mein höchſtes Streben wird ſein, als ein Mann von Ehre Ihre Achtung zu gewinnen.“
„Ich danke Ihnen, Graf Hermann, und nun iſt dieſes Geſpräch vorüber und vergeſſen,“ erwiederte Stephana, freundlich lächelnd.„Ich fühle, daß wir einander hinfort mit mehr wirklichem Vertrauen, Freundſchaft begegnen werden, als bis⸗
er.“


