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Die Leidenschaften : eine Erzählung / von Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von Dr. Otto gen. Reventkow
Entstehung
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„Auch ich habe dieſe Nachrichten von dem Gra⸗ fen, Ihrem Vater, eingeholt, obgleich erſt in ſpäteren Jahren. Den Namen ihrer Familie oder den Ort, wo ſie erzogen worden war, nannte Ihre Mutter niemals. Eine Frage dürften Sie ſo gut ſein, zu beantworten, bevor ich fortfahre: Wie haben die Ma⸗ jorin Alm und ihr Bruder ein ſo anſehnliches Ver⸗ mögen beſitzen können, da Ihr Großvater ein ſo un⸗ bedeutendes hinterließ?“

„Sie beſaßen daſſelbe nach den Großeltern ihrer Mutter, welche ſie nach dem Tode der Mutter erzog.“

„Und Sie wiſſen nichts von dem Schickſal Ihrer Mutter?“

„Nichts, Herr General. Man hat meine Fragen in dieſer Hinſicht nie beantwortet.“

„Nun gut, dann fahre ich fort: Amalia, Ihre Mutter, war die jüngſte von den drei Schweſtern. Mit einer Schönheit begabt, deren bezaubernde Eigen⸗ ſchaft ſich auf Sie verpflanzt hat, hatte die Natur ſie auch mit einem glühenden Herzen und einer lebhaften Phantaſie ausgerüſtet, welches bewirkte, daß das faſt öſterliche und gar zu regelmäßige Leben, das die Mutter zum Prinzip bei der Erziehung der Mädchen gemacht hatte, Amalia als eine drückende Sclaverei vorkam. Die anhaltende Arbeitſamkeit, welche zum Geſetz im Hauſe geworden war und niemals durch etwas anderes, als durch Andachtsübungen unterbro⸗ chen wurde, ſchien Amalia's lebhafter Seele einer Tortur zu gleichen. Dieſe freudenleere Lebensweiſe erregte ihren Abſcheu und machte, daß ſie die Hei⸗ math als den unerträglichſten Ort auf der Erde be⸗