5
„Woher weißt Du das?“
„Caſpar, welcher während des Prozeſſes der ſie am meiſten belaſtende Zeuge war, theilte mir unter einem Anfall von Gewiſſensbiſſen, während welcher er nahe daran war, ſich ſelber anzugeben, mit, daß er es geweſen, der nach Verkündigung des Urtheils ihr und dem Kinde Gelegenheit zur Flucht verſchaffte. Wie Du aus dem Vorangeſchickten weißt, ließ ich ihn die Welt verlaſſen, bevor mein Geheimniß über ſeine Lippen gekommen,“ fügte die Mutter in düſterem Tone hinzu.
„Weißt Du, daß ſie lebt?“
„Ich hoffe es; denn als ich nach Caſpar's Tod nach Schweden reiste, um ſie aufzuſuchen und unſchäd⸗ lich zu machen———“
„O, meine Mutter, wollten Sie auch ſie tödten?“ fiel der Sohn ſchaudernd ein.
„Sie ſtand auf meiner Lebensbahn als eine drohende Gefahr, welche ich aus dem Wege räumen mußte. Ich entdeckte auch ihren Aufenthaltsort; aber am folgenden Tage war ſie verſchwunden. Ich ſetzte auch meine Nachforſchungen fort, jedoch vergebens. Meine Krankheit trieb mich nach München. Was Du übrigens als Anleitung zu wiſſen brauchſt, findeſt Du in dem Aufſatz, den ich Dir übergab, und in den Aufzeichnungen, welche Caſpar nach ihrer Flucht im Gefängniß fand. Sobald ich aufgehört habe, von meinen Gewiſſensbiſſen und von den ſchrecklichen Bildern verzehrt zu werden, welche bis zu meinem Tode meine Seele quälen verden, ſo machſt Du Vor⸗ bereitungen zu Deiner Abreiſe und verſchaffſt Dir ſo


