Teil eines Werkes 
2. Band (1865)
Entstehung
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ſieht aus, als ob Du einen ſchweren Stand mit Niſſe und mir bekommen ſollteſt. Du kannſt überzeugt ſein, daß ich ihm jedes Wort von deinem Geſpräche mit Louiſe erzähle; und wie Du es dann verant⸗ worten willſt, daß Du auf Niſſe gelogen haſt, das iſt eine Sache, welche wohl der Ueberlegung bedarf.“

„Habe ich gelogen?“ fuhr Stina heraus,„wagſt Du das zu behaupten?“

Dabei rückte ſie ihrem Bruder nahe auf den Leib. Er faßte ſie aber an beiden Armen und ſtieß ſie von ſich, indem er ſagte:

„Laß' das Schreien und beſinne Dich, daß ich die Knabenjahre hinter mir habe. Ich bin nicht Niſſe und theile auch nicht deſſen Nachſicht mit Dir und deiner Bosheit. Ich habe übrigens nichts mit Dir zu reden, ſondern will blos einige Worte mit Louiſe im Vertrauen reden. Schrei' und lärme ſo viel Du willſt, aber komm' mir nur nicht zu nahe.“

Ueber Stina's blaue Lippen ſtrömten Worte, welche zu wiederholen wir uns nicht befugt fühlen. Sie überſchüttete buchſtäblich den jüngern Bruder mit einer Maſſe von Titeln, wie ſie nur von Höckerweibern an Hafenplätzen gebraucht werden. Dieſer Platzregen von Schimpfworten machte aber ſo wenig Wirkung auf ihn, als Waſſer auf die Gans; er ließ ſich in ſeiner Ruhe nicht im Mindeſten ſtören.

Er nahm Louiſe bei der Hand und führte ſie mit ſich in des Bruders Zimmer, worauf er die Thüre verſchloß, ehe Stina, welche mit Gewalt eindringen wollte, ihm dahin folgen konnte. Als der Riegel vor⸗ geſchoben war, begann Stina in voller Raſerei auf die Thüre loszupoltern und ſchlug einen ſolchen Lärm