Teil eines Werkes 
2. Band (1864)
Entstehung
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einem erniedrigenden Liebesverhältniß, und gibſt dem Publikum das traurige Beiſpiel, wie ein hoch be⸗ gabter und geiſtreicher Mann ſich zum Sklaven elen⸗ der Begierden macht.

Lembourn, erweiſe mir die Freundſchaft, nicht hiervon zu ſprechen! Wir ſind ja alle, mehr oder weniger, Sklaven unſerer Leidenſchaften, obgleich wir nicht Alle ſo unbedachtſam ſind, es Andere merken zu laſſen. Ich ſündige ſo, daß es die ganze Welt ſieht, und die Welt ſchreit über meine Sünden; An⸗ dere ſündigen ſchwerer, als ich, aber heimlich, und die Welt ſchweigt. Glaube nur, wir Menſchen ha⸗ ben einander Nichts vorzuwerfen und auch nichts, womit wir uns rühmen können.

Möglich; aber wenn wir über eigene und Anderer Schwächen reflectiren können, ſo müſſen wir auch die Kraft beſitzen, ſie zu beherrſchen. Warum haben wir ſonſt unſeren Verſtand erhalten, wenn nicht, um mit demſelben unſere Triebe zu zügeln und uns durch Veredlung unſerer Gewohnheiten, unſerer Genüſſe und unſerer Wünſche über das Thier zu erheben?

Hübſche Worte, die ſich gut ausnehmen, aber in der Praxis nicht Stich halten! ſiel Edwin mit einem bitteren Lächeln ein:

Du ſelbſt, Sidney, der Du dafür gehalten wirſt, und auch einer von denjenigen biſt, die es am weiteſten in der Kunſt gebracht haben, Deine Gefühle dem Verſtande unterzuordnen, iſt es Dir durch Hülfe dieſes letzteren gelungen, ein einziges derſelben zu vernichten?

Haſt Du Dir ſelber gebieten können, dieſenige