278— ſeiner Seite leben durfte, trieben Adolph zu dem Ent⸗ ſchluſſe Leonoren in Bergen zum Weibe zu nehmen. Die kurze Friſt, nach deren Verlauf er erſt vor ſeinem Vater erſcheinen ſollte, beſchloß er in Zurückgezogen⸗ heit im Innern des Landes zu verleben, und dann im Vettiethale der Löſung aller Räthſel ſeines Daſeyns
entgegen zu gehen.
In Bergen, alſo dort, wo Adolph das Brautkleid der isländiſchen Jungfrau vielleicht in ihrem eigenen Sarge ausgebreitet erblickt, dort wo er mit bangem Herzen ſeinem Vater Gehorſam verſprochen hatte, der ihm die Luſt, das Brautgewand flattern zu ſehen im Hochzeitsreigen, als den Lohn erfüllter Kindespflicht ver⸗ ſprach, dort ſtand er wortbrüchig, aus dem verwehrten Schweden zurückkehrend, ſeiner Braut am Altare einer dunkeln Capelle gegenüber, ohne andere Zeugen ſeines Ehebundes mit Leonoren als die marternde Ungewiß⸗ heit ob der Zukunft, und die Gewiſſensbiſſe über ſeinen Ungehorſam. Die Gegenwart war der Neuvermählten Erſatz für Vergangenheit und Zukunft. In reinen wahr⸗ haft harmoniſchen Gemüthern verglüht die Liebe nicht am Ziele ihrer Wünſche, ſie gleicht dem Baume der jähr⸗ lich blüht durch hundert Jahre, und nicht der Aloe, die zwar lange lebt bis ſie blühen darf, aber nur ein⸗ mahl blüht und dann abſtirbt in ihrem Blüthentriebe.
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