48. Die goldene Hochzeit.
Es war am 11. Mai 1855, ein wunderlieblicher Maitag, das Wetter ſchien ſich vorzubereiten auf den fol⸗ genden Feſttag, die goldene Hochzeit der Großeltern.
Eliſabeth hatte viel zu ſchaffen gehabt. Das alte, graue Haus mit den Wappen über den Thüren, den hohen Fenſtern und großen Räumen war wohl eingerichtet auf viele Gäſte, aber alle konnte es doch nicht faſſen, und Eli⸗ ſabeth hatte einen Theil davon übernommen. Für Tante Wina und Paula, die beiden Reſpectsperſonen, war das bekannte Erkerſtübchen eingerichtet; für Eltern und Ge⸗ ſchwiſter war aber auch geſorgt. Eliſabeth war ziemlich mit allen Anordnungen fertig, als die bekannte Hornmuſik aus der Ferne erklang. Das war jedesmal für ihre Kin⸗ der ein Jubel, das zarte Verbergen hinter der Gardine mußte Eliſabeth aufgeben, die Geſellſchaft war zu groß. Ihr kleinſtes Mädchen hatte ſie auf dem Arm, vier lieb⸗ liche Geſichter ſtanden neben ihr und ſchauten durch die Scheiben, als der prächtige Zug vorüber kam,— der ſtattlichſte von den Reitern ſchaute freudig hinauf nach ſei⸗ nem Reichthum, er war ein glücklicher Mann. Eliſabeth übergab ihr Kleinſtes den älteren Geſchwiſtern und eilte noch einmal zu Johannen in das Erkerſtübchen, um noch einiges hier zu ordnen. Von hier aus ſah ſie ihren Mann


