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— warum ſich jetzt noch durch ein Ausſprechen beun⸗ ruhigen?— Sie ſtand nachdenklich vor ihrem Schreib⸗ tiſch, Bibel und Ziehkäſichen lagen da, heute konnte ſie aber nicht leſen, ſie war zu abgeſpannt von der Reiſe. Wenn ſich ihr Herz danach geſehnt, hätte ſie es dennoch gethan, ſie ſcheute ſich aber davor.
Sie trat in ihr Schlafzimmer und ſeufzte doch. Man ſoll die Sonne über ſeinem Zorn nicht untergehen laſſen, dachte ſie. Zornig war ſie freilich nicht, ſie war nicht einmal böſe, ſie hätte das aber gern auch ausgeſprochen, und er hätte es vielleicht gern gehört. Nein, dann hätte er mir nicht im Garten gute Nacht geſagt, ſetzte ſie hinzu, und Thränen traten ihr in die Augen. Sie entſchloß ſich, zu Bett zu gehen mit der Unruhe im Herzen. Vor Kurzem wäre ihr dies freilich ein unmöglicher Gedanke ge⸗ weſen,— die Umſtände verlangten es aber heut ſo,— es war auch im Grunde nicht viel zu risquiren, war es ihr zu ſchwer, konnte ſie ſich morgen noch ausſprechen,— ſie wollte es nur verſuchen.— So kämpften die Ge⸗ danken noch lange hin und her, bis ſie vom Schlaf über⸗ raſcht wurde und zwar ohne Abendgebet.
Am andern Morgen war ſie kaum angekleidet, als die Tanten ſchon erſchienen und den herrlichen Morgen mit ihr genießen wollten. Ihr Mann ritt wie gewöhnlich bald fort, er war auch noch nicht zurück, als ſie mit den Tanten die beabſichtigten Viſiten antrat. Beide Damen hatten ſehr den Wunſch, ſich hier zu zeigen und ſich zu amüſtren, und


