Druckschrift 
Adeline Protat / aus dem Französichen des Henry Murger von Dr. Karl Büchele
Entstehung
Einzelbild herunterladen

242

mordsverſuch einen Text zu gloſſiren fand, dem Bericht der intereſſirten Parteien nicht völlig Glanben ſchenken wollen. Es iſt außerdem ſelten, daß man dem Argwohn einer Rotte Neugieriger und Müßiggänger, die hitzig auf einen Scandal aus ſind und ihn ſchon von Ferne wittern, auf die Spur kommen kann. Man hatte im Dorfe den Kopf geſchüttelt, als Madelon diejenigen, welche ſie befragten, von der rechten Fährte abzubringen ſuchte. Eine Einzelnheit, die durch einen Burſchen von der Mairie, der zu Protat die Almoſenbüchſe für die in Todesohnmacht Liegenden hingebracht hatte, ſollte überdieß die abwehrenden Verſicherungen der Magd des Holzſchuhmachers aus dem Felde ſchlagen. Der Abgeſandte hatte um die Beine des Lehrlings den Ring bemerkt, der von den Stricken, woran Zephyr die beiden großen Steine gebunden und ſeine Rettung damit ſo erſchwert hatte, zurückgeblieben war. Dieſer Zeuge hatte außerdem hinzugefügt, da er an Ort und Stelle ge⸗ kommen, ſeien alle die Leute, welche um den Ertrun⸗ kenen herumſtanden, insbeſondere Vater Protat und der Zeichner in höchſter Beſtürzung geweſen. Was das Fräulein(dieſen Namen gaben die Leute von Montiguy Adelinen) betraf, ſo war dieſe faſt wie todt. Dieſer ſo natürlichen Unruhe, welche in der Gefahr, worin der Lehrling ſich befunden, ihren Grund hatte, ſchoben die böſen Zungen einen ganz andern Sinn unter. Der vorbedachte Selbſtmord wurde jetzt nicht mehr beſtritten, und die Vermuthungen begannen ſich um dieſes Ereigniß herum zu gruppiren.

Den ganzen Tag über hatte man nur davon im Dorfe geſprochen, die Männer auf dem Felde, die Wei⸗ ber im Waſchhaus. Protat war im Dorfe nicht geliebt, vielleicht weil er unter allen Einwohnern der vermög⸗ lichſte war und darüber ein wenig zu viel Selbſtzufrie⸗ denheit äußerte. Sein väterlicher Stolz war dieſer Abneigung, die keine Gelegenheit vorbeiließ, ſich durch