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Adeline Protat / aus dem Französichen des Henry Murger von Dr. Karl Büchele
Entstehung
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an einem hohen Felſen angebaut, von dem man die Ge⸗ gend in nnermeßlichem Umfang überſchaut.

Gegen die Mitte Anguſts, um die heißeſte Stunde eines brennenden Erndtetages, bog ein junger Mann, welchen der zwiſchen Fontainebleau und Nemours gehende Wagen eben am Fuße des Berges von Bourron abge⸗ ſetzt hatte, nachdem dieſes Dorfpaſſirt war, in den Feld⸗ weg ein, der Bourron mit Montigny verbindet. Der Reiſende ſchien von der erſtickenden Hitze, die von dem entzündeten Himmel herniederfiel, erſchöpft; der Schweiß rieſelte ihm von der Stirne und hatte ſelbſt den Filz ſeines grauen, breitrandigen Huts durchdrungen. Zur Sicherheit auf ſeinem Marſche, wie zur Erleichterung des Gewichts von einem Sack, der übermäßig beſchwert ſchien, ſtützte er ſich auf einen langen Stock, deſſen eiſenbeſchla⸗ gene Spitze, ſo oft ſie mit dem Sandſtein oder Pflaſter in Berührung kam, Funken hervorlockte. Der Fußgänger, deſſen Coſtüme und äußere Erſcheinung auf den erſten Blick einen Künſtler⸗Touriſten verrieth, hieß Lazare und begab ſich nach dem Dorfe Montigny, wo er ſeit zwei Jahren ſeine Wohnung aufzuſchlagen pflegte. In einiger Entfernung hinter ihm wanderte, die Füße wie ein ver⸗ wundetes Stück Wild nachſchleppend, ein junger Bauern⸗ burſche, anſcheinend zwölf bis dreizehn Jahre alt. Sein Rücken bengte ſich gieichfalls unter der Laſt eines ſchwe⸗ ren Kaſtens, auf welchen eine Feld⸗Staffeley und einer der großen, weißleinenen Sonnenſchirme geſchnallt wa⸗ ren, deren ſich die Maler bedienen, um beim Arheiten im Freien eine gleichmäßige Beleuchtung herzuſtellen. Lazare und der Bauernjunge marſchirten über eine weite,

durch das Erndte⸗Geſchäſt ſehr belebte Ebene. Jede Mi⸗ nute entzündete der Glanz der Sonne einen Blitzſtrahl in der Hand der Schnitter, die zur Hälſte in den dichten Furchen verborgen waren und deren Lärm die zahlreichen Lerchen aufſcheuchte, die, beforgt um ihre Brut, über das Getreide emporwirbelten. Rechts von den beiden Fuß⸗