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aber es ſieht doch verdächtig aus, und die Gerechtig⸗ keit ihrer Kritik dürfte man mit gutem Fug in Frage ſtellen.. Für die Andern dagegen, die Liberalen, ſelbſt die muſikaliſchen Jakobiner, ſind juſt die Tageserzeugniſſe von größtem Intereſſe. Ihr Urtheil iſt ein wenig ver⸗ wirrt worden nach dem vielen tollen Tanzen mit Strauß und Lanner. Die Kunſt müſſe vor allen Dingen populär ſein, behaupten ſie, und derjenigen Muſik, die bereits am Tag nach ihrem erſten öffentlichen Vortrag auf den Lippen des Volkes(der Gaſſenjungen) liegt und ſich in's Unendliche zu Märſchen, Walzern und Galoppaden arrangiren und fricaſſiren läßt, ſchenken ſie ihren höchſten Beifall. Es liegt Genie in dieſen Melo⸗ dien, heißt es, denn ſie haben bei der Menge Anklang gefunden.
Was jetzt Lucie betrifft, ſo hat ſie ſowohl Lob als Tadel geerntet. Daß ſie inzwiſchen wirklich ihre Ver⸗ dienſte beſitzt, kann der unparteiiſche Beurtheiler daraus
erſehen, daß ſie im Verlauf von etwas mehr als zehn
Jahren beinahe in ganz Europa die Runde gemacht hat. Aber man findet auch, daß ſie ſich nirgends zu behaupten vermochte, wenn ſie nicht mit ausgezeichneten Talenten beſetzt war. Allerdings erfordern alle Compo⸗ ſitionen eine gute Aufführung, um Erfolg zu gewinnen; doch können ſie mehr oder weniger davon abhängen, und einige verlieren ſich gänzlich in den Händen der Mittel⸗ mäßigkeit. Das Werk, das einem guten Sänger oder einer guten Sängerin Veranlaſſung und Gelegenheit gibt, ſein eigenes Genie zu entwickeln, beſitzt ſchon da⸗ durch ein Verdienſt, und dieſes Verdienſt darf man billiger Weiſe der Lucie nicht ſtreitig machen. Ueber ihr Glück in D. ſollte dieſer Abend entſcheiden.
Die Ouvertüre war zu Ende. Der Vorhang ging auf. Die Jägerſchaar gab ihren Chor. Von dieſem Chor ſagte Michael Lambert einmal in ſchlechter Laune:
„Er mag ganz ſchön ſein; aber ein Jäger, der
ſolche Lieder ſingt, ſchießt nicht viel Haſen.“


