214
genommen, durch welche er die Czarin bei der Ab⸗ fahrt von Petersburg aufs Aeußerſte gelangweilt und faſt zur Verzweiflung gebracht hatte. Er lag mit ſchlaff herunterhängenden Gliedern im Wagenſitz da, verdrehte die Augen, wie in einem Zuſtand der Extaſe, und ließ nur von Zeit zu Zeit einige laute ſchallende Seufzer aus ſeiner Bruſt hervorſteigen.
Jetzt ſagte er, indem er ſich plötzlich auf die Hände der Czarin niederbeugte: Kathinka, mein Ent— ſchluß iſt gefaßt! Ich werde ihn, mit Euerer Erlaub⸗
niß, wahrſcheinlich ſchon in Moskau zur Ausführung.
bringen. Denn mich treibt der Geiſt, dem ich in mir ſelbſt nicht mehr Widerſtand zu leiſten weiß, und von dem man ſich treiben laſſen muß, wenn uns geiſtlich und ewig geholfen werden ſoll. Ja, Czarin, ich bin gewillt, die heiligen Weihen zu nehmen und denke mich zum Erzbiſchof ſalben zu laſſen!
Aber diesmal ſchlug die beabſichtigte Wirkung fehl, oder ſie wandte ſich vielmehr in ihr Gegentheil um. Die Czarin begann in ein lautes Gelächter auszubrechen, denn Potemkin, indem er wie Einer, der gegen ſich ſelbſt Hülfe und Rettung ſucht, ſein von reichen, flatternden Locken umwalltes Haupt auf ihre Hände gelegt, ſah in demſelben Moment zugleich


