Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Der Großfürst ; 1. Band (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

E

Prinzeſſin Wilhelmine, indem ſie mit einem ſchnippiſchen Ton emporfuhr. Eine Brautſchau, wie ſie über uns abgehalten werden ſoll, iſt unangenehm und empörend, aber ſie iſt doch auch im höchſten Grade ungewiß! Schon gut, erwiederte die Fürſtin Mutter mit ver weiſender Miene, ich werde Dich jedenfalls noch lehren, wie man Dinge, die der hohen Politik angehören, vernünf tig anſehen muß! Was Du mit Deiner gewöhnlichen Naſeweisheit den ruſſiſchen Markt nennſt, das iſt eine hohe Ehrenberufung, auf die jede deutſche Prinzeſſin ſtolz ſein kann und muß! Als mir die Czarin Katha rina von Rußland zuerſt den Vorſchlag machen ließ, mich mit meinen drei Töchtern am Kaiſer-Hofe von Petersburg vorzuſtellen, um möglicher Weiſe ein enges Familienband zwiſchen unſern beiden Häuſern dadurch zu ſtiften, da fühlte ich mich von dieſer Gnade ſo durchleuchtet, und erhoben, daß ich mir ſelbſt nicht mehr Landgräfin zu ſein ſchien, ſondern mindeſtens ſchon zur Großherzogin, vielleicht zur Königin, mich emporgegipfelt fühlte? Wir Deutſchen ſind recht gut, aber uns fehlt die Macht. Die Macht können wir uns nur von den fremden großen Höfen holen, ſonſt ſind wir ſchutzlos, namentlich in Darmſtadt. Und Du kleines dummes Ding willſt Anſtoß daran nehmen,