6
Aber die ruſſiſche Hauptſtadt ſelbſt trat, je mehr die Reiſenden in ihre Mitte eingeführt wurden, immer prächtiger und großartiger, wie ein ungeheures Rieſen bild mit coloſſalen Gliedmaaßen, hervor, und ſelbſt die haltungsvolle Landgräfin ſchien ſich einen Augenblick lang, als man an den großen Kirchen und Paläſten vorüberfuhr, einiger Ausrufe des höchſten Erſtaunens nicht erwehren zu können.
Da muß unſer Darmſtadt freilich etwas zurück bleiben! rief ſie endlich halb wehmüthig, halb empfind⸗ lich, indem ſie ſich nur mit um ſo größerer Würde in den Wagen zurückwarf.
Prinzeſſin Wilhelmine, die jüngſte und ſchönſte der drei Schweſtern, ſaß gedankenvoll an dem geöffneten Wagenfenſter. Ueber ihr anmuthiges, von den blonden Locken umfloſſenes Geſicht war mit der Aufmerkſam— keit, mit der ſie Alles um ſich her betrachtete, zugleich ein Zug ſinnender, faſt trüber Ahnung getreten. Ihr Buſen hob und ſenkte ſich in raſchen, ſtürmiſchen Empfindungen.
Heiterer ſchienen die beiden anderen Schweſtern, Eliſabeth und Friederike, die in harmloſen Ausrufungen über Alles, was ſie ſahen, ſich ergingen.
Ich glaube, die gnädige Mama hat Recht, rief die
——
8


