Teil eines Werkes 
5. Band (1861)
Entstehung
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daß er meinem theuren Max ſchon längſt verziehen hat.

Mein Vater murmelte Etwas von ſeltſamer Theologie und ſaß gedankenvoll da. Es dauerte eine Weile, ehe er wieder ſprach.

Die Sache hat auch noch eine Seite, welche Du gänzlich zu überſehen ſcheinſt. Was wird die Welt ſagen, wenn ich, ein Geiſtlicher, die Ehe meiner Tochter mit dem Manne ſanctionire, welcher meinem Sohne das Leben genommen? Es iſt nicht möglich.

Nun ward ich kühn.

Alſo, es iſt nicht das Geſetz Gottes, oder der Gerechtigkeit, oder der Natur, was uns ſcheidet, ſondern die Welt! Vater, Du haſt nicht das Recht, aus Furcht vor der Welt mich und Max zu ſcheiden!

Als ich dies geſagt hatte, bereuete ich es, aber

es war zu ſpät. Seine ganze frühere Härte kehrte zurück, indem er ſagte: 5Ich weiß wohl, daß ich kein geſetzliches Recht habe, Deine Heirath zu verbieten. Du biſt mündig; Du kannſt handeln, wie Du ſchon längſt gehandelt haſt, nämlich Deinem Vater zum Trotz.

Nein, ich habe Dir nie getrotzt, entgegnete ich;nicht einmal im Geheimen bin ich Dir unge⸗ horſam geweſen, und ich erinnerte ihn daran, wie offen Alles geſchehen war von Anfang bis Ende