Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

243

doch ſo gänzlich erſchöpft war, daß Eliſabeth keine wei⸗ teren Erkundigungen anſtellen mochte. Es war erſicht⸗ lich, er mußte wie ein krankes Kind behandelt werden.

Sie war ſchon mit ſich einig, was ſie thun wollte.

Lege Dich ſtill und ruhig nieder, Tom. Ich werde bald zurückkehren, um Dir Hülfe zu bringen. Du haſt doch nichts dawider?

Nein, nein, Du kannſt mich zu Allem beſtimmen, Du konnteſt es ſtets.

Eliſabeth taſtete ſich die Treppen hinab. Eine wun⸗ derbare Kraft und Ruhe war über ſie gekommen. Schnelle Hülfe wurde nöthig, wenn nicht Alles zu ſpät ſein ſollte. Tom, ſterbend, hatte ſich an ſie, als ſeine einzige letzte Zuflucht, um Troſt und Unterſtützung gewandt, er zwei⸗ felte nicht an ihrem Willen noch an ihrer Macht, ihm zu helfen, und er ſollte ſich nicht verrechnet haben. Die Stärke, der Muth, welche oft die ruhigſten, ſanfteſten Frauennaturen erfüllen, belebten Eliſabeth auch jetzt und kräftigten ſie zum Handeln.

Sie durchwanderte viele Straßen, ſich nach einer paſſenden Wohnung umzuſehen; immer weiter und weiter führte ſie ihr Weg, bis ſchon der Abend herabſank und die Kirchthürme ſich dunkel gegen den lichten Frühlings⸗ himmel abzeichneten. Dann ging ſie über die Weſtminſter⸗ brücke, und in einer kleinen Straße auf der Surreyſeite fand ſie, was ſie ſuchte ein hübſches, anſtändiges Zimmer bei einer Frau, die dem Anſchein nach reinlich und ordentlich war. Da die Zeit drängte, wurden nicht viel Fragen gethan; Tom ſollte nicht noch eine Nacht in jener elenden Kammer bleiben.