„Welcher?“
„Ich will das Geld vom alten Askott borgen.“
„Weil er alſo ſchon genug gegeben hat, möchteſt Du, daß er noch mehr gäbe, und Du würdeſt es nehmen— immer nehmen— Askott, ich ſchäme mich Deiner!“
Aber der junge Mann lachte nur.„Unſinn! er hat Geld und ich habe keines, weshalb ſollte er nicht mit mir theilen?“
„Weshalb nicht?“ wiederholte ſie, wobei ihre Augen flammten, die kleine, zarte Geſtalt ſich höher ſtreckte und während ſie ſprach, immer ſtolzer und bedeutender wurde.„Da Du es nicht zu wiſſen ſcheinſt, will ich
es Dir ſagen, weshalb ſein Geld nicht Dir gehört.
Weil ein junger Mann in der Kraft und Fülle der Ge⸗ ſundheit ſich ſchämen ſollte eines Anderen Brot zu eſſen, ſtatt ſich das ſeinige ſelbſt zu verdienen; weil er jede, auch die härteſte, ſchwerſte Arbeit thun müßte und alle Vergnügungen und Luxusartikel entbehren ſollte, ehe er ſich entſchlöſſe Geld zu borgen oder gar Schulden zu machen. Wäre ich ein junger Mann, ich würde zu ſtolz ſein, mich einem Menſchen auf ſolche beſchämende Weiſe verpflichtet zu fühlen.“
„Was für ein allerliebſter junger Mann Du ſein würdeſt, kleine Tante Hilary!“
Es lag in Askott's unverwüſtlich guter Laune zu⸗ gleich etwas Aufreizendes und Entwaffnendes. Seine Fehler waren mehr negativ als poſitiv; in ihm war keine vorſätzliche Bosheit noch wirkliche Schlechtigkeit, nur ein fabelhafter Leichtſinn. Und dabei beſaß er jenen wunderbaren Zauber in ſeinem ganzen Weſen, vnt
Herrin und Dienerin. II. 2 5


