Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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ihrer eigenen niederen Häuslichkeit auch zankende Ge⸗ ſchwiſter und ſchlagende Mütter gegeben, iſt uns nicht bekannt geworden, ebenſo wenig, ob ſie ſehr erſtaunt war, dieſelben Vorgänge in einem ſo feinen, gebildeten Hauſe zwiſchen Herren und Damen ſich zutragen zu ſehen. Das aber iſt gewiß, das junge Mädchen wurde ſehr ernſt, ja ernſt, nicht mehr trotzig, denn ſobald Selina die Küche verlaſſen, ſchwanden auch mehr und mehr die drohenden Wolken von Eliſabeth's Geſicht, und als Hilary wiederkam, war der Sturm in ihr ganz be⸗ ſchwichtigt; doch jene bemerkte ſie kaum, denn ſie ſuchte Johanna, die blaß und vor Aufregung zitternd in die Treppe herabſtieg.

„Iſt ſie zu Bett?“

„Ja, meine Liebe. Es war auch das Beſte, Selina befand ſich ſchon den ganzen Tag unwohl.“

Hilary's Lippen kräuſelten ſich, doch erwiderte ſie nichts. Sie beſaß nicht Johanna's endloſe Geduld mit Selina. Schweigend führte ſie die älteſte Schweſter nach dem Wohnzimmer, rückte ihren Armſtuhl zum Kamin, ſchloß die Thür und ſetzte ſich dann neben ſie, ihre Hand leiſe und ſanft in die ihrige faſſend.

Johanna drückte die kleinen, weichen Finger; einige Thränen rollten langſam über ihre blaſſen Wangen, doch trocknete ſie dieſe ſchnell. Und dann ſaßen die beiden Schweſtern ſchweigend, mit ſchweren, tiefbetrübten Herzen bei einander.

Jede Familie hat ihren wunden Fleck, ihren geheimen Kummer. Hier war es Selina. Ob ſie es ſich einge⸗ ſtanden oder nicht, ſie wußten nur zu gut, daß jede Un⸗