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Schon überlegte ſie, faſt ohne ſich deſſen bewußt zu werden, welcher Ort am geeignetſten für eine geheime Unterredung ſei, als ein Diener ihres Bruders erſchien und ſie bat, zu dem Grafen zu kommen, der ſie in ſeinem Zimmer erwarte. Sie glaubte, daß dieſe Aufforderung mit den Nachrichten in Zuſammenhang ſtehe, die Michael Brazow wahrſcheinlich von dem Major erhalten, und kehrte durch den Park nach dem Schloſſe zurück. In dem Augenblicke jedoch, in welchem ſie das Schloß betrat, hörte ſie den Hufſchlag eines Pferdes, das den Hof ver⸗ ließ. Sie trat an ein Fenſter und fragte einen Diener, wer ſo eben fortgeritten. Die Antwort lautete:„Prinz Daniel.“
„So war Daniel hier, ohne den Verſuch gemacht zu haben, mich zu ſprechen?“ fragte ſie ſich mit Be⸗ fremden. Er ließ doch ſonſt, wenn er auch in der letzten Zeit ſcheuer und zurückhaltender geworden, keine Gelegenheit vorübergehen, in ihrer Nähe zu ſein. Sollte die Aufforderung ihres Bruders mit dem Beſuche Da⸗ niel's zuſammenhängen? Langſamer, aber mit geſtei- gerter Erwartung ging ſie nach dem Zimmer ihres Bruders.
Michael Brazow, der vor ſeinem Schreibtiſch ſitzend ſeine Schweſter empfing, war einer jener Männer, die man in der Geſellſchaft als vortreffliche Menſchen


