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land, Frankreich, Spanien und den empoͤrten Ko⸗ lonien in Nord⸗Amerika. Maria Francisca beob⸗ achtete ſtrenge Unparteiſamkeit, trat der ſogenann⸗ ten bewaffneten Neutralitaͤt foͤrmlich bei und er⸗ reichte ihre Abſicht unmittelbaren Handels aus den portugieſiſchen Haͤfen nach dem Norden.
Bald aber ſtellte ſich das alte Familienungluͤck im Inneren von Queluz und Belem wieder ein. Ihr Gemahl, Dom Pedro II., welchen ſie großmuͤ⸗ thig zum Mitregenten angenommen, wie Maria Thereſia Franz Stephan von Lothringen, ſtarb, nach der Krone des Himmels begieriger, als nach der moͤhebeladenen, irdiſchen. Durch moͤnchiſche Tu⸗ genden, in welchen die kluge Frau weiſe ihn be⸗ ſtaͤrkt, hatte er ſich der erſteren auch wohl wuͤrdiger erzeigt, als durch fuͤrſtliche Eigenſchaften jener letz⸗ teren. Zwei Jahre darauf folgte ihm auch der Prinz von Braſilien, und Dom Joao Maria Joſo Luis, ein Herr von trefflichen Gemuͤthsgaben und den edelſten Geſinnungen, unterzog ſich am 10. Hornung 1792 der Regentſchaft, als ſeine Mutter ploͤtzlich in Wahnſinn ſiel und zu fernerer Ausuͤbung der koͤniglichen Wuͤrde ganz untauglich erfunden wurde. Auch dieſer Staatsakt geſchah ohne die geſetzmaͤßige Einſchreitung und Beſtaͤtigung der Kortes, deren Einberufung uͤbrigens nicht wenig gefahrbringend in einer Zeitlage ſchien, wo der Republikanismus von Frankreich aus alle Throne Europens zittern machte, und die Inſtitute einer Volksvertretung auch in Portugal ſehr leicht zu Or⸗ ganen einer gegen das Koͤnigthum gerichteten Re⸗ volution verwandeln konnte.
1782
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786 1788


