202
um ſich verbreitete. Lisbeth führte nicht mehr eine un⸗ umſchränkte Herrſchaft über die männliche Bevölkerung, ſie hatte nun an der Schweſter eine Rivalin erhalten, die es immer mehr verſtand, Fröhlichkeit herauf zu be⸗ ſchwören, ſelbſt wenn Conſtantin dermaßen in Bewun⸗ derung verging, daß er beinahe düſter und melancholiſch wurde.
Daß Anna aufgehört hatte, ein unwiſſendes Kind zu ſein, ärgerte Johanna, daß Thure nicht wie früher immer die Geſellſchaft und den Beifall der Tante ſuchte, machte ihr viel Verdruß, daß Elias ſtets mit Anna zu⸗ ſammen war, reizte ſie, jedoch ohne daß ſie dieſen Ge⸗ fühlen Luft machen konnte. Bei dem kleinſten Verſuch von Seiten Johanna's, die Mädchen anzugreifen, ſtand Elias ihr gegenüber und erinnerte ſie an ihre Ueberein⸗ unkft, und ſie mußte an ſich halten.
Anna war fortwährend das übermüthige, fröhliche Kind, das ſie immer geweſen, aber ihre Fröhlichkeit war nicht mit Spott gepaart, ihre Art und Weiſe nicht mehr unangenehm, ihr Anzug nicht mehr unſchicklich. Die Veränderungen waren groß, aber ſie waren ziemlich unmerklich geſchehen. Sie ſcherzte und neckte die Anderen, wie vordem, aber ſie beleidigte Niemand, ſie lachte ſo herzlich, wie ſonſt, aber nicht mehr über die Fehler An⸗
derer, ſondern vielmehr über ihre eigenen. Sie ſang


