Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

D

19

Frigga, zu widerſtehen. Und doch ſchien ſie keinen Einfluß auf ſeine Gefühle auszuüben.

Valentins Benehmen war artig und zuvorkom⸗ mend, aber er gab deutlich zu erkennen, daß er nie danach trachtete, ſich der gräflichen Familie vertrau⸗ lich zu nähern, oder erlauben würde, daß ſie ſich ihm auf eine ſolche Weiſe näherte.

In ſeinem gänzen Weſen lag Etwas, welches deutlich zeigte, daß er ſich unſerer Standesunter⸗ ſchiede und der Schranken, welche dieſe aufgerichtet,

vollkommen bewußt war.

Da er ſich ſelbſt auf den Platz ſtellte, welchen er einnehmen mußte, ſo machte er es gerade dadurch unmöglich, daß Jemand ihn beleidigen konnte. Sein Benehmen ſagte, daß er es klar begriff, daß unſere hergebrachten Sitten Graf Harthon die erſte Stelle einräumten, ſelbſt wenn nicht die Jahre und ihr ge⸗ genſeitiges Verhältniß es gethan hätten.

Valentins ſtolze Zurückhaltung bewies, daß er gar zu beſorgt um ſeine eigene Würde ſei, als daß er dieſelbe durch irgend eine ungebührliche Vertrau⸗ lichkeit gegen Perſonen hätte bloßſtellen ſollen, welche ſie möglicherweiſe hätten zurückweiſen können.

Immer aufmerkſam, aber nie kriechend, war es Valentin gelungen, ſchon während der erſten Wochen die Gunſt des Grafen und der Gräfin zu gewinnen, Etwas, wonach er nicht zu ſtreben ſchien, das ihm aber vielleicht eben deshalb zu Theil ward.

Der Graf hatte Achtung vor ſeinen Kenntniſſen, Zutrauen zu ſeinem Urtheil und unbedingtes Ver⸗

trauen zu ſeiner Ehre und Redlichkeit.