Mannes, welches Ihrer Gnaden imponirte, und ge⸗ rade das vermehrte noch ihre Erbitterung.
Mit ſeinen klaren, tiefblauen Augen beherrſchte er ſie dergeſtalt, daß ſie, trotz ihrem aufgeregten Gemüthszuſtand, doch die gewöhnliche äußere Höf⸗ lichkeit gegen ihn beobachten mußte— Etwas, wozu ſie ihn gar nicht für berechtigt hielt.
Es lag in dem ganzen äußeren Menſchen des Doktors ein ſo unverkennbares Gepräge der Seelen⸗ größe, daß alle ſeine den Stempel der⸗ ſelben trugen. Auf der ſtolzen, hohen Stirne thronte eine edle Würde.
Schweigend hatte der Doktor Ihre Gnaden be⸗ grüßt und zwang ſie durch ſein Schweigen, ihn an⸗ zureden.
— Ich brauche Ihnen wahrſcheinlich nicht zu ſagen, warum ich eine Unterredung mit Ihnen ver⸗ langt habe,— begann Ihre Gnaden und machte mit der Hand eine Bewegung, daß er ſich ſetzen möchte.
— Ich habe wirklich dieſe Vorladung von Eurer Gnaden erwartet,— antwortete der Doktor kalt.
— So— o, Sie haben dieſelbe erwartet?
In den Augen Ihrer Gnaden blinkte es.
Der Doktor machte eine ſtumme Verbeugung.
— Ihr Gewiſſen ſagte Ihnen alſo, daß Sie beſchimpft hatten, und daß ich von Ihnen Ge⸗ nugthuung fordern würde.
— Nein, gnädige Frau, mein Gewiſſen hat mir nichts geſagt, als daß ich recht gehandelt. Mein Verſtand läßt mich dagegen einſehen, daß Sie viel⸗


