138
dem Mädchen zu und ging weiter, aber Eva ſprang ihm nach und rief:
— Sie dürfen es Niemanden, und auch dem Adjunct nicht, ſagen; hören Sie.
— Sei ruhig mein Kind, und ſchweige ſelbſt, wenn Du es kannſt..
— Oh, deſſen können Sie verſichert ſein, denn obgleich ich den Adjunct jeden Mittag von Kollinge habe weggehen ſehen, ſo habe ich Niemanden Etwas davon geſagt, trotzdem daß ſie drunten im Dorf davon ſprechen, daß er Mamſell Calla zur Frau haben ſoll, müſſen Sie wiſſen.
Damit ſprang das Mädchen ſummend ihren Weg.
Wenn bisher lauter Sonnenſchein in der Seele Haralds geweſen war, ſo hatten die Worte des Mädchens raſch eine Wolke darin hervorgerufen, welcher einen dunkeln Schatten auf ſeine ſonſt ſo klare und freie Stirne warf. Während bittere und ſchmerzliche Gedanken ſein Inneres erfüllten und ein verzehrender Zweifel ſein Herz packte, hatte er ſeine Schritte bedeutend gemäßigt.
Der Grundton in der Seele des Jünglings war indeſſen zu rein, als daß er Mißtrauen zu denen, welche er liebte, in derſelben hätte Raum geben ſollen. Mit einer haſtigen Bewegung und mißbilli⸗ gender Miene ſchüttelte er den Kopf, als wenn er die unangenehmen Eindrücke hätte fortjagen wollen und dachte:
— Wozu all dieſe Bitterkeit, dieſe Anklagen gegen Erland und Calla?
Was haben ſie denn eigentlich verbrochen? 6 Nichts.— Sie ſind ja beide frei, und wenn ſie mich


