„Das will ich gerade nicht behaupten,“ antwor⸗ tete der Capitain faſt muthlos.
„Würde es Onkel gefallen haben, wenn die ſelige Tante ſich ſo benommen hätte wie Urda?“
„Nein, beim Teufel, Junge, biſt Du toll? Meine fromme, milde Marie ſich wie ein Mann kleiden, reiten, fahren, Kegel ſchieben, jagen und nach der Scheibe ſchießen,— mein Gott, dann wäre ich lie⸗ ber in Amerika geblieben, als zu einer ſolchen Frau zurückkehren. Wer ſollte dann wohl Haus und Hof beſorgt haben?“
„Wünſcht Onkel Urda verheirathet zu ſehen?“
„Natürlich. Ein Weib ohne Mann iſt wie ein Schiff ohne Maſt und Steuerruder. Nein, um voll⸗ ſtändig ausgerüſtet zu ſein, muß ſie Mann und Kin⸗ der haben.“
„Wer, glaubt Onkel, wird die Urda haben wol⸗ len, wie ſie jetzt auftritt?“
„Was ſagſt Du? ſollte Niemand mein hübſches Mädchen haben wollen?“ rief der Capitain.
„Nein, bei meiner Ehre; ich glaube, daß kein ordentlicher Mann den Muth haben wird, ein verrück⸗ tes Weib zur Frau zu nehmen.— Welches häus⸗ liche Glück kann ſie ihm bieten?— Keines.“
„Du ſollteſt ſie alſo nicht haben wollen?“ fragte der Capitain und heftete ſeine Augen auf den Schwe⸗ ſtersſohn.
„Ich!“ rief Harald.„Nein, nicht, und wenn ſie zehnmal reicher wäre, als ſie iſt, und ich zehnmal ärmer.“
„Iſt das Dein Ernſt?“


