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befand ſich Kaiſer Rudolph, ſtill und unbeweglich, in der Schloßcapelle. Seine Blicke verſchlangen mit unbeſchreiblicher Reue und namenloſer Wonne die reizgeſchmückte Geſtalt der Gräfin Maria Magdalena.
Sie kniete vor dem hohen kunſtvoll geſchnitzten Bildſchrein des Hauptaltars und betete.
Rudolph wagte nicht ſie zu ſtören. Er ließ ſie ruhig ausbeten. Erſt als ſie ſich emporgehoben und umgewendet hatte, um die Kirche zu verlaſſen, trat er vor und ging ihr langſam entgegen.
— Gnädigſter Herr, fragte die Gräfin, die wohl überraſcht, aber nicht erſchreckt zu ſein ſchien, was führt Euch an dieſen Ort?
— Der Wunſch, meine ſchwere Sünde zu be⸗ reuen und Euch, Gräfin, um Eure Vetzeihung an⸗ zuflehen.
— Ihr habt mir, ſagte die Gräfin..
— Himmelſchreiendes Unrecht gethan! unter⸗ brach ſie Rudolph. Vergebt Eurem Kaiſer, der ſich reuig als ſchuldigen Theil anklagt und Euch, ſchwer verkannten Engel, von jeder Schuld vollkommen freiſpricht.
— Mein Gott, wie iſt dieß zugegangen?
— Ihr ſollt Alles erfahren, theuere Gräfin. Jetzt aber bitte und beſchwöre ich Euch— reicht mir


