Teil eines Werkes 
4. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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erworben. Ihr waret ſeitdem ſeine ſchweſterliche Muſe, ſein ihn ermuthigender Schutzgeiſt geweſen. Bis zur letzten Stunde ſeines Lebens hat er die längſt verwelkte Roſe aufbewahrt, die er bald nach Eurer Wiedergeneſung wie er mir oft erzählt, aus Eurer Hand empfing. Es war eine jener Blu⸗ men, die er während Eurer langen Krankheit allmor⸗ gendlich ſelbſt gebracht, ohne daß Ihr Anfangs gewußt, von wem Ihr ſie empfingt. Ich glaubte einen ſtillen Wunſch ſeines Herzens zu errathen und gleichzeitig zu erfüllen dadurch, daß ich jene Roſe ihm als Zeichen meiner Verſchwie⸗ genheit mit in ſeinen Sarg gab. Denn nie hat mein Mund das, was ſein blutendes Herz mir gleich nach ſeiner Rücktehr von Prag großherzig anvertraut, irgend einem Andern verrathen, und er und ich haben die ſchwere Prüfung, die Gottes Fügung über ihn und Euch verhängt, als ein unver⸗ brüchliches Geheimniß, wie eine in Perlenglanz auf⸗ gegangene Thräne in einem Käſichen aufbewahrt, zu dem nur wir Beide den Schlüſſel beſaßen.

Ich habe oft, ſehr oft von Euch geſprochen, und wohl darf ich mir das Zeugniß geben, daß dieß ſtets ohne Groll, ohne Bitterkeit, ohne Reid geſchehen 1856. VII. Auf dem Hradſchin. IV. 18