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Vier Monate nach dem Tode des Kaiſers Ru⸗ dolph kehrte ſie nach der Vaterſtadt Prag zurück. Am 20. Auguſt 1612 erhielt ſie folgenden Brief aus Innsbruck: „Mein edles Fräulein!
Ihr werdet Euch wundern, von einer Frau, die Euch nur nach dem Namen ihres Mannes be⸗ kannt iſt, einen Brief zu erhalten. Nie hätte ich gewagt, den Namen meines Mannes in Euer Gedächt⸗ niß zurückzurufen, wäre es nicht Alexanders Wunſch geweſen, Euch von einem Ereigniß in Kenntniß zu ſetzen, das Euer edles Herz gewiß nicht minder tief als das Meinige betrüben wird.
Vor drei Tagen ſtarb mein heißgeliebter Mann. Sein Vaterland und die trauernde Kunſt verlieren in Alerander Colin einen der gefeiertſten Künſtler. Mehr noch als die ganze Welt verliert ſein ihn ewig betrauerndes Weib den beſten und zärtlichſten Gemahl, den Vater ihrer drei armen Kinder, die mit ihr wei⸗ nend an ſeinem ſchmuckloſen Grabe ſtehen.
Geſtern Früh hat ihn der endloſe Zug ſeiner Freunde und Verehrer auf den Kirchhof ſeiner Adop⸗ tivvaterſtadt Innsbruck, wohin er von Mecheln zog und wo er ſeine ſchönſten Werke vollendete, begleitet und ſeine irdiſche Hülle dem Schvoße der mütterlichen


