Teil eines Werkes 
4. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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eine kleine ſcharfe Scheere hervor und ſchnitt, wie ihre Namensſchweſter im alten Teſtamente ihrem Simſon, gleichſam um ihn ſeiner Kraft zu berauben, vorſichtig eine ſeiner Locken nach der Andern ab und warf, in träumeriſches Hinbrüten vertieft, die rothen Büſchel auf den Fußboden hin; und als ſie zu ihrer Freude gewahrte, daß er feſt eingeſchlafen ſei, ſchob ſie behutſam ſeinen Kopf von ihrem Schooße weg und legte ihn auf das Kiſſen des Lehnſtuhles, auf welchem ſie ſaß, ſtand auf, nahm eine der abge⸗ ſchnittenen Haarlocken, ſteckte ſie als Erinnerung in ihr Buſentuch und wollte geräuſch- und athemlos wie ein Schattenbild die ſo ſehnlich herbeigewünſchte Flucht ergreifen.

In demſelben Augenblick erwachte Don Cäſar. Er jagte den Schlaf aus ſeinen Wimpern und blickte, noch halb berauſcht, um ſich. Da ſah er Delila, die tief erſchreckt, wie eingewurzelt an der Schwelle der halbgeöffneten Thüre ſtand.

Wohin willſt Du? fragte er aufſpringend.

Ich wollte friſche Luft ſchöpfen

Delila wollte dem ſchlafenden Simſon ent⸗ flichen. Das aber ſoll ihr nicht gelingen! rief er, erfaßte ſie beim Arme und zog ſie vom Eingang weg⸗

Als er ſich umkehrte, gewahrte er auf dem