245 durch Milch und Honig, Eier und Früchte das unab⸗ weisbare Gefühl des Hungers befriedigt hatte, war, ohne vorhergegangene Taufe in ihrem unfreien Her⸗ zen ſchon ſo ſehr Chriſtin, daß ſie heute zum erſten Male auf die wiederholte Bitte ihres Verführers mit ihm dieſelben Fleiſchſpeiſen faſt von einem und demſelben Teller aß, ohne ſich der Furcht kindiſchen, wie Cäſar ſie genannt!— hinzugeben, daß ihr ſchon der erſte Biſſen der geſetzwidrigen Speiſen den Tod bringen müßte. Heute aß ſie Alles, was er, aufmerkſamer und zärtlicher als frü her, auf der Spitze ſeiner Gabel ihr hinreichte. Ihr roſiger Mund pflückte die dargereichten Biſſen mit derſelben Eßluſt, womit der Schnabel einer halb ver⸗ hungerten Taube einzelne Kirſchen vom Stiele der Furcht abbricht. Simſon trank auf Delila's ſchöne Zukunft, auf ihr Wohl, auf ihre Mutterhoffnung und ſtürzte den ganzen Inhalt eines großen Cry⸗ ſtallglaſes, mit ſchwerem Ungarweine angefüllt, mit Einem Zuge hinab. Sie aber nippte nur an ihrem Glaſe; doch deſto fleißiger füllte ſie den Becher ihres Geliebten, der bald nach dem Erſcheinen des Nachtiſches, welcher die köſtlichſten Früchte aller Zo⸗ nen und Jahreszeiten brachte, von Wein und Liebe berauſcht zuerſt an ihren Buſen und dann zu ihren
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