Teil eines Werkes 
4. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

Ich aber, Gräfin, bin dieß deſto weniger auf die Eure. Ich fange zu glauben an, daß auch Ihr heimlich zur Legion meiner Feinde gehört...

Weil ich von Ew. Majeſtät befragt, dem Kaiſer die Wahrheit ſage? Soll ich ſein Ohr ſchaam⸗ los belügen und ihm die Stimme der öffentlichen Meinung verſchweigen? Ich überlaſſe dieſes Geſchäft dem Schwarme Eurer Schmeichler, denen es gleich⸗ giltig ſcheint, ob der Kaiſer im Herzen ſeines Volkes beliebt oder verhaßt iſt. Eure treueſte Freundin aber, die es als die ſchönſte Aufgabe ihres leider ziemlich verfehlten Lebens betrachtet, Ew. Majeſtät immer die Wahrheit zu ſagen und Euer Urtheil weder durch Schmeichelei noch durch Lüge zu beirren, kann ſich nicht enthalten, offenherzig Ew. Majeſtät Alles zu bekennen, was ſie denkt und fühlt, um, ſo weit es im Bereiche ihrer ſchwachen Kraft liegt, Euern irregeleiteten Sinn auf den Pfad des Rechtes zurückzulenken, um wenigſtens auf dieſe Weiſe ein Scherflein, wäre es noch ſo geringfügig, beizutragen, von dem geſalbten Haupte Ew. Majeſtät den Haß des Volkes fernzuhalten und Euch deſſen Liebe und Anhänglichkeit von Neuem zu erwerben.

Ich fühle, daß ich Euch Unrecht that. Ver⸗ zeiht mir, Magdalena, und ſagt mir mit gewohntem