Teil eines Werkes 
4. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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durch weſſen Hände dieſe Druckſchrift in ſein Haus gelangt ſei. Es ſchien, als hätten die Winde ſich

zu Verbreitern dieſer Schrift gebrauchen laſſen, denn

ſie flog zu jedem offenen Fenſter, zu jedem Haus⸗ thor hinein, und da ſie unentgeldlich verbreitet ward, ſo gab es nach acht Tagen in ganz Prag keinen Ein⸗ zigen, welchem Daſein und Inhalt derſelben unbe⸗ kannt blieb.

Als Verfaſſer dieſer Vertheidigung war ein ge⸗ wiſſer Philaretes Amyntas Codomanus angegeben, irgend ein unbekannter Freund oder Anhänger der

Familie Lobkowie, der ſeinen wahren Namen in den

dichten Schleier der Pſeudonymität gehülit, weil die Behauptungen, die er in dieſer Schrift aufgeſtellt hatte, füͤr die Ehre Kaiſer Rudolphs ſo kränkender und beleidigender Art waren, daß faſt in jeder Zeile ein Crimen laesae majestatis lag.

Als Druckort war Dicaeopolis angegeben, ein Ort, der eben ſo wenig wie das Reich Utopia exi⸗ ſtirt, eine Stadt, die nirgends anders als in der Phan⸗ taſie ihres Erfinders zu ſuchen iſt.

Die Schrift, an und für ſich, war gut geſchrie⸗ ben, aber ſchlecht gedruckt.*)

*) Der Titel der lateiniſchen Schrift lautet vollſtändig: