Teil eines Werkes 
3. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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Wenige Tage nach der Beerdigung dieſes ge⸗ feierten Gelehrten war Eva von Lobkowie auf drin⸗ gendes Anrathen ihres Arztes Jeſſenius nach Raud⸗ nitz, dem Reſidenzſchloſſe eines ihrer Anverwandten, des Oberſtkanzlers Adalbert Zdenko von Lobkowic, abgereiſt.

Trotz aller Anſtrengungen ihrer Freunde und Beſchützer war es ihr bis dahin nicht gelungen, irgend etwas Näheres über den Aufenthaltsort ihres noch immer gefangenen, noch immer nicht verhörten Vaters in Erfahrung zu bringen. Selbſt der Einfluß der Grä⸗ fin Maria Magdalena hatte es nicht vermocht, den Schleier dieſes undurchdringlichen Geheimniſſes zu lüften. Der Kaiſer war ſo grauſam geweſen, ihr, die Alles über ihn vermochte, rund heraus zu erklä⸗ ren, daß er dieß in Folge eines Gelübdes, das er gethan, ſelbſt ihr nicht anvertrauen dürfe.

Eva war kaum drei Wochen in Raudnitz, als ſich in Prag die unheimliche Kunde verbreitete, der ehemalige Oberſthofmeiſter Georg Popel von Lobko⸗ wie, der vor wenigen Monaten erſt von Podtbrad nach dem ſchwarzen Thurme auf dem Hradſchin ab⸗ geführt worden, ſei im Gefängniſſe als neues Opfer der Seuche anheimgefallen.

Dieß Gerücht hatte ſich mit der Blitzesſchnelle,