Der Krieg mit den Türken war während dieſer vier Jahre mit abwechſelndem Glücke fortgeführt worden und bald zu Gunſten des Halbmondes, bald zu Gunſten des kaiſerlichen Doppeladlers ausgefallen. Der eigentliche Führer desſelben war nicht Rudolph, ſondern deſſen Bruder Erzherzog Matthias, mit welchem der Kaiſer in beſtändigem Hader lag, weil er ſchon da⸗ mals die keineswegs ungegründete Ueberzeugung gewon⸗ nen hatte, daß ſein ehrgeiziger Bruder ſich ſeit Jahren mit dem Plane trage, ihn vom Throne zu ſtoßen und ſich ſelbſt zu deſſen Nachfolger zu machen. Schon aus dieſem Grunde hatte Rudolph, da ſowohl er, wie Matthias kinberlos war, den heimli⸗ chen Entſchluß gefaßt, die Thronfolge in Böhmen mit Uebergehung ſeiner drei Brüder(die beiden An⸗
dern waren bereits geſtorben) auf den Herzog Ferdi⸗
nand von Steiermark, der zu Grätz reſidirte, zu über⸗ tragen; erſtens, weil dieſer ein beſſerer Katholik als Matthias und zweitens, weil Matthias— was Ru⸗ dolph ſich nicht nehmen ließ— der gefährlichſte Rival ſeines kaiſerlichen Bruders war.
Der Krieg gegen die Türken hatte während der erſten acht Jahre den Böhmen ſo viele Menſchenopfer und ſo vieles Geld gekoſtet, daß der friedliebende Kaiſer Rudolph ſchon mehr als einmal entſchloſſen


