Teil eines Werkes 
1. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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ſich ſchon darum in all' ſeinen Berechnungen arg getäuſcht haben müßte.

Eva hatte vor dem Bilde ihrer frommen, un⸗ vergeßlichen Mutter dieſer und ſich ſelbſt gelobt, unerſchütterlich⸗ feſt in den Grundſätzen der Ehre und Tugend ihres Hauſes zu beharren. Sie hatte ſich und ihrer Mutter geſchworen an dieſem Ge⸗ lübde der Ehre und Keuſchheit feſtzuhalten bis zum letzten Hauche ihres Lebens, und der Verlauf unſerer Erzählung wird uns zeigen, ob ſie dieſem Schwur treu geblieben iſt.

Seit ihrer Wiedergeneſung hatte ſie ihren ein⸗ zigen Troſt, ihre einzige Zerſtreuung, ihre einzige Aufheiterung im Schvoße der Bibliothek ihres Va⸗ ters gefunden. Die Werke, in welchen ſie Tag und Nacht ſtudirte, um den Kreis ihrer Kenntniſſe zu erweitern, waren ihr allmälig ſo lieb und werth ge⸗ worden, daß ſie in ihnen bald nicht mehr todte Bü⸗ cher, ſoudern lebende Freunde erblickte, in deren Um⸗ gang ſie eine Quelle des Troſtes, unerſchöpſlich wie der gütige Schooß der Mutter Erde, fand.

Wenn alle andern Freunde beim Untergange der Sonne unſeres Glücks lieblos uns verlaſſen, dann ſind die Bücher die einzigen, welche uns tren bleiben