Teil eines Werkes 
1. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
Einzelbild herunterladen

29

Ich hatte, wie Ihr Euch erinnern werdet, eine Mündel.

Des Baders Stimme begann weich und ſein Auge flüßig zu werden.

Ja, ja, ich kannte ſie, ſagte Matthias.

Ich nicht, erklärte trocken der Schuſter.

Sie hieß Libusa, fuhr Procop fort, und war die ſchönſte und tugendhafteſte Jungfrau der ganzen Sporengaſſe, eine eben aufgeplatzte Knoſpe, kaum ſiebzehn Jahre alt, ein Engel an Liebreiz und Unſchuld.

Am Nebentiſche fing ein Soldat zu nieſen an. Proſit, rief ihm der Bader zu und fuhr

dann fort:

Der Geierblick des Fremden hatte meine kleine, fromme, unſchuldsvolle Taube leider früh genug er⸗ gattert. Um Gelegenheit zu haben, mit meiner Muͤn⸗ del bekannt zu werden, beſuchte er mich faſt täglich, um ſich von mir ſeinen langen, ſchwarzen mähnenar⸗ tigen Bart, der ihm das Anſehen eines wilden Lö⸗ wen gab, bald ſo und bald ſo ſtutzen zu laſſen. Eines Nachts rief mich meine Kunſt an das Bett eines Kranken, der mich holen ließ, um ihm auf Befehl ſeines Arztes eine Ader zu öffnen. Als ich mit dem anbrechenden Tage nach meiner Wohnung