Teil eines Werkes 
1. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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geweſen war und ſich gerühmt haben ſoll, vor und

während ſeiner Ehe nie ein anderes weibliches Weſen,

als ſeine, keinesweges ſchöne Frau berührt zu haben. Der Kanzler war ein frommer Herr.

Ein Blick in das ziemlich geräumige, in beſtän⸗ diges Halbdunkel getauchte und ſchon darum etwas unheimliche Arbeitsgemach des böhmiſchen Staats⸗ mannes wird uns gleichzeitig eine Einſicht in die dich⸗ ten Falten ſeines Herzens geſtatten; wir ſagen Herz, ob die Wenigen gleich, die mit ihm in Berührung kamen, zu behaupten wagten, er habe gar kein Herz und ſei ſchon aus dieſem Grunde ein geborener Staatsmann.

Ueber ſeinem uralten, äußerſt ſchwerfälligen und mit ewigem Staube bedeckten Arbeitstiſche prangte das leichenbleiche Bild des heiligen Ignaz von Loyola, des Gründers der Geſellſchaft Jeſu, gemalt von

Bartholomäus Spranger, dem Antwerpener Kammer⸗ maler und Lieblinge Kaiſer Rudolphs.

Zur Rechten Loyola's hing das Gürtelbild ſeines Landsmanns und Nachfolgers, Diego Laynez, deſſen fuchsröthliches Haar, glatt geſchoren wie Utrechter Sammet, ſeiner echtſpaniſchen Phyſiognomie jenen hohen Grad von Verſchmitztheit verlieh, durch wel⸗ chen er auf dem Concilium zu Trient dem neuen