23 ihm von ganzen Hofe zu Theil geworden, hatte auf Signora Graſſini einen ſo tiefen Eindruck ge⸗ macht, daß ſie, vergeſſend, daß ſie bei Hofe ſei, hingeriſſen von ihrem Enthuſiasmus, dem großen Meiſter, nach beendigtem Concert, entzuͤckt um den Hals fiel, ausrufend:
— Ihre Geige iſt die erſte Saͤngerin der Welt!
Rode, Anfangs verwirrt und in Verlegenheit gebracht, faßte ſich bald und ſprach:
— Signora, erſt ſeitdem ich Sie ſingen ge⸗ hoͤrt, weiß ich, was ſingen heißt.
Napoleon, deſſen Blick, geſchaͤrft durch Eifer⸗ ſucht, Guiſeppa's Herz trotz aller Huͤllen allzubald durchſchaut hatte, ließ ſie von ſeinem Adjutanten Junot beobachten. Durch ihn kam er, 2 Monate ſpaͤter, auf die Spur eines ſchlau verborgenen Ge⸗ heimniſſes. Entruͤſtet ließ er ſeinen Polizeiminiſter rufen.
— Fouché, ſprach der Kaiſer, Sie ruhmten neulich Ihre Allwiſſenheit; Sie ſagten mir, nichts bliebe Ihrem Scharfblick und den Argusaugen Ihrer Polizei verborgen...


