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haute volée ſehr beruͤhmten Modehaͤndlerin, Ma⸗ dame Labille, in der Rue St. Honoré, gearbeitet, dort, wie jede Putzmacherin, ein paar Liebſchaften mit einem Studenten und Commis gehabt, plotzlich aber mit ihrer Principalin ſich dergeſtalt entzweit hatte, daß dieſe ſie ſofort aus ihrem Dienſt entlaſſen. Das arme Maͤdchen hatte ein anderes Unterkommen geſucht, zu ihrem Ungluͤck aber, oder richtiger geſagt, zu ihrem Gluͤcke, keines gefunden. Die paar Francs, die ſie ſich fruͤher erſpart hatte, waren bald aufge⸗ zehrt, und ſo kam es, daß ſie leider nur zu bald dem Mangel und der Entbehrung ausgeſetzt war. Noth iſt die Mutter aller Laſter. Vom Hunger getrieben, hatte ſie ſich Abends, wenn es dunkel zu werden begann, in den Arcaden des Palais royal herumgetrieben. Eine alte Bekannte, der ſie ihre Noth geklagt, hatte ſie ihrer Freundin Gourdan empfohlen.
Mit bleichen Wangen, klopfendem Herzen und einem Briefchen in der Hand ſtand ſie jetzt an der Schwelle des Laſters und der Schande. Sie hatte leiſe geklopft, Niemand hatte es gehoͤrt,—


