Teil eines Werkes 
2. Band (1845)
Entstehung
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Tugend, Sire, iſt die ſtrenge Ausuͤbung der goͤttlichen Gebote.

und welche von den Tugenden iſt wohl die groͤßte?

Die Liebe, denn ſie iſt der Inbegriff aller andern Tugenden, ſie iſt ein Abglanz Gottes, denn Gott iſt die reinſte Liebe.

Und was haltet ihr von der Ehe?

Die Ehe iſt ein heilig Band.

Ich glaube, frommer Vater, es waͤren Viele gluͤcklicher, wenn nur die Liebe, nicht die Ehe ſie verbaͤnde. Nehmt mich zum Beiſpiel. Meine Mutter hat mich wider meinen Willen vermaͤhlt mit Anna von Oeſtreich. Wir waren 14 Jahre alt, faſt Kinder noch, als Politik, die ſchlaue Kupplerin, unſere Herzen, die wie Nord und Suͤd ſich widerſtrebten, durch Prieſterhaͤnde band. Schon zwanzig Jahre ſind wir nun ver⸗ maͤhlt, und noch iſt unſere Ehe kinderlos.

Was noch nicht iſt, kann werden.

Schwerlich, ſeufzte Ludwig. Die Koͤni⸗ gin, ich weiß es, liebt mich nicht. Der Wider⸗