29
der Diebe Freundſchaft endigt ſich allezeit mit der Phariſäer Wort:„Was geht uns das an? da ſiehe du zu
„Nun, da ſitzt ihr,“ rief unten vom Tiſche her der lange Ulrich,„und ſchreit über den Werner, als wenn Langenfeld untergehen müßte, ſeitdem der För⸗ ſter geworden iſt. Was thut's, ihr Nachbarn, frag' ich, was thut's? Laßt den Junker draußen ſeyn und wir werden mit dem Werner fertig und der Werner wird mit uns fertig. Im Anfang wird's auch heißen: „Neue Beſen kehren gut, und Herrendienſt geht über Gottesdienſt,“ aber bald wird er auch einſehen, daß eine Hand die andere waſche, und daß allzuſpitz nicht ſteche. Was wollt' ihr wetten, ich habe, ehe 14 Tage vergehen, den Werner im Sack? Wer will wetten? Nur hübſch fein gegen ihn gethan, nur hübſch einge⸗ laden zu Kindtaufen und Hochzeitsſchmäuſen, nur ein⸗ mal Karten mit ihm geſpielt bei'm März, oder bei'm Käsperchen, und ich ſtehe euch dafür, das Männlein wird weich wie Butter. Denkt daran, ich hätt's ge⸗ ſagt! Zudem hat der Werner auch keine Rathsbeſol⸗ dung; wovon will er dann leben, wenn ihm nichts in die Küche gebracht wird?“„Und zudem,“ fuhr Henrich Marr fort, und ſtopfte ſich eine neue Pfeife, „richtig betrachtet, geſchieht es dem dicken Förſter ganz recht, daß er über die Klinge hat ſpringen müſſen. Hat der Kerl nicht gelebt, wie ein Vogel im Hanfſaa⸗ men und ein Sündengeld verdient? Wen hat er über's Ohr gehauen, den gnädigen Herrn oder uns? Uns, ſag' ich, ihr Nachbarn! Wollen jetzt einmal ſehen, ob er ſein Schäfchen geſchoren hat und in ſeiner Wolle warm ſitzt, oder ob er frieren kann! Denkt euch, den


